Der Angelsportverein Lippstadt
und Umgegend 1882 e. V.

Die aktuellen Zahlen des Vereins lauten wie folgt:Der ASV Lippstadt und Umgegend beherbergt heute 700 Mitglieder und 145 Gastangler.
In der Jugendgruppe sind 120 Jugendliche organisiert.
Der ASV ist Mitglied in folgenden Verbänden und Vereinen:    Landesfischereiverband Westfalen und Lippe e. V. (LFV)
    Verband deutscher Sportfischer e. V. (VDSF)
    Vereinigung deutscher Gewässerschutz e. V.
    Der atlantische Lachs e. V.

Wir bewirtschaften eine Gewässerfläche von ca. 112 ha.

Die Beschreibungen zu den einzelnen Gewässern erhalten Sie im Menü

 

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Zum Werdegang des Vereins hier ein Auszug aus unserer Festschrift zum 100jährigen Bestehen:

von Hans Kortmann

Vom Fischereiverein zum Angelsportverein
Lippstadt und Umgebung v. 1882
Einhundert Jahre Vereinsgeschichte

Die Anfänge
Was wäre Lippstadt ohne seine Lippe! Nicht allein, daß diese Stadt fast vier Jahrhunderte lang denselben Namen trug wie sie, daß sie als Schiffahrtsweg, der einmal hier endete, an dem Aufblühen von Handel und Verkehr ihren Anteil hatte, daß sie mit ihren Flußarmen, der nördlichen und südlichen Umflut, und dem Schiffahrtskanal das Kernstück der Stadt umgürtet und so das Stadtbild entscheidend mitprägt: Ohne sie könnten lippstädter Angler in diesem Jahr wohl kaum auf ein einhundertjähriges Bestehen ihres Vereins zurückblicken, für den sie bis auf den heutigen Tag die Grundlage seiner Existenz bedeutet Der reiche Fischbestand wird in vielen urkundlichen Zeugnissen, die bis ins 16. Jahrhundert zurückgehen, lobend hervorgehoben. Auch in der Merian-Topographie aus dem Jahre 1647 heißt es von der Grafschaft Mark:
"Der Boden ist fruchtbar an Getreide und geben die Flüsse Lipp und Ruhr viel Fisch." Und in seinem Schelmenroman "Der abenteuerliche Simplicissimus" berichtet Grimmelshausen um dieselbe Zeit: "Die Stadt liegt an der Lippe, in der es Fische und Krebse gibt." Dieser Fischreichtum der Lippe, vor allem zu den Zeiten, als sie sich mit ihren zahlreichen Flußwindungen und Kolken noch in ihrem ursprünglichen Zustand befand, noch nicht entstellt durch Begradigungen und Uferausbau und unbelastet durch Abwässer war für alle die eine Fischmahlzeit zu schätzen wußten, allzu verlockend. Aale, Äschen, Forellen, Barsche, Hechte und Weißfische aller Art bevölkerten den Fluß. Bis in die ersten Jahrzehnte dieses Jahrhunderts zogen Maifische in großen Mengen von der Nordsee über den Rhein aufwärts in die Lippe und deren Altarme, wo man sie z. B. in der Schoneberger Heide zwischen Hovestadt und Eickelborn mit Netzen oft zentnerweise an Land zog. Und sogar der Fang eines Lachses war durchaus nichts Außergewöhnliches, und das mitten im Stadtgebiet!

Die alte "Lippische Mühle" am Lippertor um 1900
In der Mitte des vorigen Jahrhunderts, so berichten viele Urkunden aus dieser Zeit, muß die Wildfischerei besonders unerfreuliche Ausmaße angenommen haben. Mit allen erdenklichen Fanggeräten, wie Netzen, Reusen, Drahtschlingen und Mistgabeln, rückte man den Fischen zu Leibe, und das besonders zur Laichzeit, in der die Fische in ihrem Laichtrieb die natürliche Scheu oft verlieren. Wohl in erster Linie um diesem Übelstand abzuhelfen, haben sich am 4. Juni 1882 vierundzwanzig Bürger der Stadt zu einer Vereinigung zusammengeschlossen, die sich den Namen "Fischereiverein Lippstadt" zulegte. An erster Stelle der Gründungsurkunde stand der Name des damaligen Landrates des Kreises Lippstadt, Freiherr von Werthern. Auch sonst weist die Namensliste einen repräsentativen Querschnitt durch die damalige Bürgerprominenz auf, darunter u a. Friedrich Blankenburg, Stiftsrentmeister und Schöpfer der städtischen Grünanlagen. Das Original ist leider verloren, nur eine beglaubigte Abschrift ist in den Vereinsakten vorhanden. Auch im städtischen Archiv befindet sich eine solche, die noch aus dem Gründungsjahr stammt:

Bei den Verhandlungen mit dem Rat der Stadt Lippstadt über den erstrebten Pachtvertrag vertrat der damalige "Haupt-Steueramtsrendant" Keil den Verein. Sie haben sich offensichtlich über einen längeren Zeitraum hingezogen, denn erst am 3. November 1883 wurde der Pachtvertrag abgeschlossen "auf die Zeit vom 1. Juli 1882 bis dahin 1888". Inzwischen war auch noch der Graf von Plettenberg, Hovestadt, dem Verein beigetreten, was er in einer Zeitungsannonce unter dem 22. 11. 1882 bekanntgab. Der Pachtzins wurde auf achtzehn Mark für das Jahr festgesetzt. Für die damaligen Verhältnisse ein ansehnlicher Preis. Er war jährlich zu Martini an die Stadtkasse zu zahlen. Die Vereinsmitglieder konnten nun an der Lippe von der lippischen Landesgrenze bei Lipperode bis unterhalb der Stadt zur Einmündung des Roßbaches dem Fischfang nachgehen. Die Fischerei durfte lt. Pachtvertrag nur für Zwecke der Schonung oder anderer gemeinnütziger und wirtschaftlicher Zwecke ausgeübt werden Was darunter im Einzelnen zu verstehen war, darüber gibt es keine näheren Angaben. Das Gewässer mußte jährlich mit "guten, edlen Fischen" besetzt werden. Ob auch die in der Gründungsurkunde erwähnte Lachsbrut darunter war, ist nicht bekannt, wohl aber, wie sich aus verschiedenen Aufzeichnungen ergibt, Brut und Setzlinge von Bachforellen. Auch die Gieseler hat wohl einige Jahre zu den Pachtgewässern des Vereins oder einzelner Mitglieder gehört.
Die Wildfischerei suchte man, so gut es ging, zu unterbinden. Harte Strafen waren für sie zu erwarten. Im Stadtarchiv befindet sich eine Notiz, daß ein unverbesserlicher Fischdieb, der es nicht lassen konnte, ein gewisser J.P.F., am 23.7.1888 mit einer Geldstrafe von 5 Mark, evtl. zwei Tage Haft bestraft wurde, vom 10.7.1894 an vierzehn Tage Haft verbüßen mußte, am 18.11.1906 wieder eine Geldstrafe von 20 Mark erhielt und wegen Körperverletzung für eine Woche ins Gefängnis wanderte.

Pachtvertrag vom 18.2.1920 zwischen dem Fischereiverein Lippstadt und dem Regierungspräsidenten in Minden

"Die goldenen zwanziger Jahre"

Das dritte Jahrzehnt unseres Jahrhunderts hat man die goldenen zwanziger Jahre genannt, wenn auch die Inflation des Jahres 1922 und die sich Ende dieses Zeitabschnittes abzeichnende Weltwirtschaftskrise schon ihre Schatten darauf geworfen haben. In der Geschichte des Fischereivereins tragen sie diesen Namen nicht zu unrecht. Bereits wenige Monate nach dem Ende des ersten Weltkrieges gab es durch die Aktivitäten insbesondere des damaligen Bankprokuristen Alex Kaiser der 1910 den Vorsitz des Vereins übernommen hatte - zum Vorstand gehörten außerdem der Buchhändler Bornebusch und der Rendant Poggel - neuen, entscheidenden Auftrieb. Im März 1919 beantragte er bei der Regierung in Minden, die damals hierfür zuständig war, die Verpachtung der Lippe zunächst nur von der Hedermündung abwärts bis zur lippischen Landesgrenze bei Lipperode. Er wies in seinem Antrag darauf hin, daß es dem Verein mit staatlicher Unterstützung bereits gelungen sei, im Gieselerbach, in dem die Stadt Lippstadt ein umfangreiches Fischereirecht besaß und noch besitzt. durch regelmäßiges Einsetzen von Forellenbrut und Setzlingen bemerkenswerte Erfolge zu erzielen. Nach längeren Verhandlungen und Anhörungen verschiedener davon betroffener Stellen, des damaligen Oberfischmeisters der Provinz Westfalen, Dr. Wundsch, Münster, der Hörster Meliorationsgenossenschaft, die durch Bedienung der fünf Schleusen von Mantinghausen bis Lipperode und Aufstauen der Lippe die Bewässerung der Wiesen besorgte, kam es am 18. Februar 1920 zum Abschluß eines Pachtvertrages über die Fischereirechte des Preußischen Staates, und das sogar über die oben erwähnte Strecke hinaus von der Lippebrücke in Sande abwärts bis Lipperode, einschließlich der zahlreichen Toten Arme, die damals noch in Verbindung mit der Lippe standen und deswegen besonders wertvoll waren, weil sie den verschiedensten Fischarten ideale Laichmöglichkeiten boten und die Kinderstube der Fische waren. Diese Erweiterung ist wohl darauf zurückzuführen, daß man damals seitens der Regierung offensichtlich froh war, einen Pachtinteressenten für diese Flußstrecke gefunden zu haben, die immerhin 25 km lang war. Als Pachtzins wurden 5 Mark pro Kilometer festgesetzt. also 125 Mark für die Gesamtstrecke. Den Vertrag hatten seitens des Vereins unterschrieben der Bankprokurist Alex Kaiser, der Oberpostassistent Wilhelm Speckemeier und der Oberlehrer Dr. Kampmann, der damals am Ostendorfgymnasium wirkte und an den sich heute noch viele frühere Schüler wegen seiner "Besonderheiten" erinnern, immer nach der neuesten Mode gekleidet, von seinen Vereinskameraden wegen seiner Haartracht mit dem Spitznamen "Kotelett" tituliert. Mit dem Abschluß dieses Pachtvertrages begannen für den Verein wirklich goldene Jahre, in denen seine Mitglieder geruhsam und unbeschwert ihrem Angelsport nachgehen konnten, mit Fangmöglichkeiten und Fangergebnissen, um die man sie heute nur beneiden kann. Dem einzelnen Angler standen damals im Durchschnitt zwei Kilometer Uferstrecke zur Verfügung, nach den Bewirtschaftungsbestimmungen der heutigen Fischereigenossenschaft "Obere Lippe" sind es einhundert Meter. In der Mitte der zwanziger Jahre konnte Alex Kaiser bei dem Gastwirt Groepper in Boke zwei Räume ausfindig machen und anmieten. Diese wurden mit Feldbetten und einfachem Mobiliar ausgestattet und wohnlich gemacht. Auch eine Feuerstätte war vorhanden. Wenn die Hütte benutzt war, wurde eine Fahne aufgezogen. Für 25 Pfennig konnte man dort übernachten und nach getaner "Arbeit" am Fischwasser die gefangenen Fische zubereiten und bei einer Flasche Bier gemeinsam frohe Stunden verbringen, bevor man sich am nächsten Tag wieder auf den Heimweg machte. Von Lippstadt bis Sande war es allerdings ein weiter Weg von 25 km, den man mit dem Fahrrad zurücklegen mußte, vielleicht auch mal mit dem Motorrad. Ein Auto besaß niemand. Geangelt wurde vorwiegend mit Fliege, Blinker oder Spinner, auch mit Sprock. Die Verwendung von lebenden Köderfischen oder Fröschen war grundsätzlich verboten. Wie gemütlich es oft in dieser Anglerhütte zuging, zeigt die humorvolle Geschichte von dem "wutschnaubenden Bauern und dem intelligenten Hecht", die an anderer Stelle wiedergegeben ist, und in der Alex Kaiser neben seinen anglerischen Qualitäten auch seine erzählerischen Talente erkennen läßt.
"Angeln zum Nulltarif":
Angelscheine für Fischerei in der Lippe und Kölke unentgeldlich zu haben.
Vor Hotel "Drei Kronen" um 1925

Es gibt Rückschläge.

Am 31. März 1932 war der alte Pachtvertrag abgelaufen und man hoffte, daß er in dem alten Umfang und zu den alten Bedingungen verlängert würde. Nicht zu Unrecht, denn im Februar dieses Jahres hatte die Regierung in Minden bei dem Fischereiverein angefragt, ob und unter welchen Bedingungen er bereit sei, die Fischerei weiterzupachten. Im Jahre 1932 hatte sich aber auch in Paderborn ein Angelsportverein gebildet, der an einer Pacht interessiert war und für seine Mitglieder eine Angelmöglichkeit suchte. Auf der Tagung des Fischereivereins von Westfalen und Lippe, dem Vorgänger des jetzigen Landesfischereiverbandes Westfalen und Lippe, fragte der Regierungsdirektor Schwemann den Vereinsvorsitzenden Alex Kaiser ob der Lippstädter Verein eventuell bereit sei, dem Paderborner Verein, dessen Vertreter, Herr Hils, in Dortmund zugegen war, einen Teil der Lippe abzutreten. Bei den freundschaftlichen Beziehungen, die die beiden Vorsitzenden hatten, wurde den Paderbornern die Fischerei von der Brücke in Sande bis zur Bentfelder Brücke überlassen. An diesen Verhandlungen nahm auch der damalige Kreisbaumeister Josef Meyer teil, der 1969 im hohen Alter von 91 Jahren starb und noch bis in seine letzten Lebensjahre seinen geliebten Angelsport nicht aufgeben wollte. Er ließ sich oft an den Margaretensee fahren, fing seinen Karpfen und wurde dann wieder abgeholt. 

 

Schankwirtschaft Groepper in Boke
In dem später von der Regierung in Minden vorgelegten Vertrag wurde wohl irrtümlich statt der Brücke in Bentfeld als Grenze die in Anreppen eingesetzt. Um das gute Einvernehmen mit den Paderborner Anglern nicht zu trüben, verzichtete man auf eine Korrektur und erklärte sich aus kameradschaftlichen Gründen mit dieser Regelung einverstanden. In einer späteren Abmachung wurde dann vereinbart, daß man gegenseitig Jahreserlaubnisscheine austauschen wolle. So konnten dann wieder drei Lippstädter Angler in paderborner und umgekehrt drei Paderborner in lippstädter Gewässern angeln. Außerdem wurden an Interessenten noch Jahresscheine gegen eine Gebühr von zehn Mark und Tagesscheine für eine Mark gegenseitig ausgestellt. Diese Vereinbarung blieb bis zum Jahre 1949 bestehen. Dann wurde sie fallengelassen, weil den Paderbornern die Anfahrt zu weit war und sie auch selbst ein hervorragendes Gewässer besaßen. Zwei Jahre später verlor der Verein dann wieder ein Stück der Lippe. 1934 wurde von dem amtlichen Fischereiaufseher und Kassierer im Verein, Wilhelm Bönicke Anzeige gegen zwei Personen erstattet, die einem Erlaubnisschein, ausgestellt von dem Rechtsanwalt Auffenberg, Paderborn, unterhalb der Anreppener Brücke angelten. Dieser hatte einige Jahre zuvor das Gut Espenlake käuflich erworben. Durch diese Anzeige kam ein Verfahren in Gang, in dem Herrn Auffenberg in einer Privatklage vor dem Landgericht in Paderborn gegen den Preußischen Staat am 12.2.1935 das alleinige Fischereirecht in der Lippe von der Anrepper Brücke abwärts bis zur Einmündung der Heder zugesprochen wurde. Damit hatte der Verein bedauerlicherweise in drei Jahren von 1932 bis 1935 die Hälfte seiner Lippestrecke verloren. In dem nun abgeänderten Pachtvertrag mit der Regierung von der Hedermündung bis zur lippischen Landesgrenze bei Lipperode wurde der Pachtzins auf fünfzig Reichsmark pro Jahr festgelegt. Das Jahr 1933 mit seinem politischen Umschwung blieb auch für die Entwicklung des Vereins nicht ohne Folgen. Alle Organisationen und Verbände wurden "gleichgeschaltet". Dem mußte sich auch der "Fischereiverein Lippstadt" fügen. Aufgrund einer ministeriellen Verfügung wurde er am 1 April 1935 dem "Reichsverband Deutscher Sportfischer e. V. Berlin" angegliedert und änderte seinen Namen in "Angelsportverein Lippstadt und Umgebung von 1882". Als Ausgleich für den am Oberlauf der Lippe erlittenen Verlust konnte man aber im Jahre 1935 die Fischerei in den städtischen Gewässern, der Lippe, dem Schiffahrtskanal, der nördlichen Umflut, die vorübergehend an Einzelpersonen verpachtet waren, für den Gesamtverein zurückgewinnen. Dabei hat es wohl erhebliche Auseinandersetzungen gegeben. Die von der Stadt geforderte Pacht von 100 Reichsmark, zusätzlich 50 Reichsmark für Besatz, hielt man im Vergleich zu der an die Regierung in Detmold zu zahlende für zu hoch. Für diese Lippestrecke von der Hedermündung bis zur Stadtgrenze waren nur 50,- Reichsmark zu entrichten. Insgesamt hatte nun der Verein für eine Flußstrecke von fast 20 km einen Betrag von jährlich 150,- Reichsmark aufzubringen. Dazu kamen noch die Kosten für den Fischbesatz in einer Höhe von etwa 800,- Reichsmark. Das war für die damaligen Verhältnisse eine durchaus respektable Summe. Der Mitgliedsbeitrag betrug damals einschließlich aller Erlaubnisscheine, der Verbandsbeiträge und des obligatorischen Abonnements der Verbandszeitung "Der Deutsche Sportangler" 32,40 Reichsmark. Erlaubnisscheine gab es für zwei Lose an der Lippe. Das Los I für den oberen Teil kostete 16,- Reichsmark, Los II für den städtischen Bereich 10,- Reichsmark. Für eines der beiden Lose mußte ein Erlaubnisschein erworben werden. Der "Reichsverband Deutscher Sportfischer" verpflichtete alle seine Mitglieder, den Angelsport in "fisch- und waidgerechter Weise" auszuüben. Dieses Ziel fand seinen Niederschlag in der auch heute in vielen Punkten noch vorbildlichen Gewässerordnung des Vereins vom 1. April 1935. Allerdings gab es, wie der damalige "Vereinsführer" Alex Kaiser kritisierte, immer wieder "Raub- und Aasfischer". Mit alleiniger Vollmacht ausgerüstet, verbot er das Angeln mit totem oder lebendem Köderfisch und Frosch auf Hecht. Vorübergehend durfte auch nur eine Angelrute benutzt werden.

Die Kriegs- und Nachkriegsjahre

Für die Jahre von 1939 bis 1945 ist über das Vereinsleben nur wenig zu berichten. 44 Vereinsmitglieder waren zum Kriegsdienst eingezogen. Über Zahl und Namen der Gefallenen gibt es leider keine Unterlagen. Die erste Vorstandssitzung nach dem Kriege fand am 6. April 1946 im derzeitigen Vereinslokal "Tivoli" statt. Dem Verein gehörten damals etwa 100 Mitglieder an, unter ihnen auch der bekannte Heimatdichter Franz Kesting, der nicht nur ein leidenschaftlicher Jäger sondern auch ein begeisterter Angler war. Etwa 40 Mitglieder waren noch nicht aus der Gefangenschaft zurückgekehrt oder verschollen. In der ersten ordentlichen Vereinsversammlung mußte ein neuer Vorstand gewählt werden. Doch der alte wurde wiedergewählt: als erster Vorsitzender der Eisenbahninspektor Karl Lange - er war bereits 1938 Nachfolger von Alex Kaiser geworden, der aus Altersgründen nach achtundzwanzigjähriger Amtsführung zurückgetreten war. Josef Peters als Schriftwart, Wilhelm Bönicke als Kassenwart, Josef Meyer (Hechtemeyer) als Gewässerwart und Bernhard Giebeler als Gerätewart. Die erste Aufgabe bestand darin, eine neue Gewässerordnung und Satzung zu erarbeiten und Maßnahmen zu treffen gegen die wegen der schlechten Versorgungslage zunehmende Schwarzfischerei. Dabei rückte man sogar mit Explosivstoffen und elektrischem Strom den Fischen zu Leibe. In Benninghausen waren zwei ausländische Arbeiter zu Tode gekommen, als sie mit von der Starkstromleitung abgeleitetem Strom Fische erbeuten wollten. Bei der Aufnahme neuer Mitqlieder bedachte man sorgfältig, ob nicht nur das Interesse an einem fetten Aal oder schweren Hecht im Kochtopf die Liebe zum Angelsport erweckt hatte. Jeder Bewerber sollte durch eine Kommission unter Führung von Alex Kaiser einer Prüfung auf seine Eignung als Sportfischer unterzogen werden. Und erst nach einer Probezeit von zwölf Monaten wurde er endgültig in den Verein aufgenommen. Diese Regelung wurde fast zwanzig Jahre beibehalten. Dann mußte nach einem vereinsinternen obligatorischen Lehrgang eine Fischerprüfung abgelegt werden, die bald darauf durch die vom Landesfischereiverband empfohlene und abgehaltene und schließlich nach 1973 durch die nach dem Landesfischereigesetz verbindliche abgelöst wurde. An neuen Angelgewässern konnte man 1948 den sogenannten "Toten Arm" am Stadtwald von dem Landwirt Josef Holthaus für 50,- DM Jahrespacht gewinnen und vom Stift Cappel eine Lippestrecke, die Fischerei in der Glenne von der Straßenbrücke in Cappel abwärts und ein Stück des Boker Kanals dazupachten. Große Sorge bereitete den lippstädter Anglern, und nicht nur ihnen, schon seit langem die immer größer werdende Belastung der Lippe durch Kommunal- und vor allem aber Industrieabwässer aus dem Paderborner,aber auch aus dem Lippstädter Raum. Insbesondere galt das für den Oberlauf der Lippe von Neuhaus abwärts, in den seit Jahrzehnten vor allem von einem Industriewerk Abwässer eingeleitet wurden, die an Wochenenden das Lippewasser auf weite Strecken, oft bis zur Staustufe in Benninghausen, gelb bis rotbraun färbten. Am 12. Juni 1952 vernichtete ein Fischsterben von Neuhaus bis Esbeck fast den gesamten Fischbestand, besonders an Äschen und Forellen. Nur die Aale überlebten. Der angerichtete Schaden wurde auf ca. 100.000,- DM geschätzt. Nur durch intensiven Neubesatz über lange Jahre hinweg konnte er einigermaßen wiedergutgemacht werden. Aber erst in den letzten Jahren hat sich der Äschenbestand von diesem Massensterben erholt. Noch bedrückender aber als dieser Verlust war die Tatsache, daß der Verursacher durch das Landgericht Paderborn noch nicht einmal zum Schadensersatz verurteilt werden konnte. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß ein großes Lippstädter Industrieunternehmen die angerichteten Schäden immer sehr großzügig reguliert hat.

 

"Abangeln" im Schnee 1979

Auf dem Wege zum Großverein

Ende der fünfziger Jahre setzte eine Entwicklung ein, die für den Angelsport und das Vereinsleben nicht ohne Folgen bleiben sollte. Im östlichen Teil des Kreises entstand durch Abgrabungen zur Sandgewinnung eine Reihe von Baggerseen. Auch für den Ausbau der Umgehungsstraße der B 55 wurde Füllboden benötigt. So entstand zunächst im Nordosten der Stadt ein etwa 18 ha großer See mit einer für ein Fischgewässer fast idealen Tiefe von zwei Metern. Als dieser See - später von seinem Besitzer "Margaretensee" genannt - entstand, war der Verein schon seit längerer Zeit an die Grenzen seiner Aufnahmekapazität gelangt. Die Zahl der Erlaubnisscheine, die für die Lippe ausgegeben werden durften, war durch die Bestimmungen der Pachtverträge begrenzt. Neuaufnahmen konnten nur erfolgen, wenn durch Ausscheiden von Mitgliedern Plätze frei wurden. Es gab Aufnahmesperren und Wartelisten. Gegen eine Anpachtung des Sees gab es zunächst manche Bedenken. Der Verein hatte damals bereits 250 Mitglieder, für viele der älteren unter ihnen eine viel zu große Zahl. Lange Jahre hindurch war er wie eine große Familie gewesen. Jeder kannte und nannte jeden beim Vornamen, die Veranstaltungen waren wie Familienfeste. Je großer die Zahl der Mitglieder wurde - das hatte die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt - desto mehr drohten Zusammengehörigkeitsgefühl und Kameradschaftlichkeit verlorenzugehen.

"Abangeln" ohne Schnee 1980

Auf der anderen Seite war die Aussicht, neben dem Flußangeln an der Lippe auch ein Angelplätzchen an einem stillen See – das war der Margaretensee damals noch - zu gewinnen, vor allem für ältere Mitglieder nicht ohne Reiz und Verlockung. So entschloß sich die Mitgliederversammlung im Herbst 1959 dazu, den Margaretensee anzupachten. Auf Anraten des Herrn Dr. Tack von der Landesanstalt für Fischerei in Albaum wurde zunächst ein Versuch mit dem Besatz von Regenbogenforellen gemacht. 3200 Stück in einer Größe von 18 bis 22 cm wurden eingesetzt, daneben noch Karpfen und Schleien. Doch bald zeigte sich, daß der See wegen der zu starken Erwärmung im Sommer sich eher als Karpfen- und Raubfischgewässer eignete. Seine ursprüngliche Abgeschiedenheit und Ruhe hat er allerdings inzwischen durch den erweiterten Segel- und Campingbetrieb verloren. Die zum Angeln freien Uferstrecken schrumpften immer mehr zusammen. Der Trend zum Angeln als Freizeitbeschäftigung hielt unvermindert an, verstärkte sich eher noch. Aufnahmesperren waren die Folge. Als Auffangbecken für die Abgewiesenen hatte sich unter leider unerfreulichen Begleitumständen eine zweite Anglervereinigung in Lippstadt gebildet mit der Hoffnung, bei der bevorstehenden Neuverpachtung der Lippe ein Stück abzubekommen. Doch der Regierungspräsident verschloß sich unseren wohlbegründeten Argumenten nicht. Wir behielten die Gesamtstrecke an der Lippe. Um diesen unerfreulichen Dingen für die Zukunft aus dem Wege zu gehen, schlug der Vorstand dem neuen Verein eine Fusion vor. Das wurde dadurch möglich, daß 1966 ein weiterer Baggersee, der Zachariassee, gepachtet werden konnte. Da auch der andere Verein ein Gewässer, den Schäfermeiersee, in die Fusion einbringen konnte, stand ihr am 8. Mai 1969 nichts mehr im Wege. So vergrößerte sich die Mitgliederzahl um 60. Alle konnten einen Fischereierlaubnisschein erhalten, zumal 1970 mit dem Schulte-Stratmann-See in Niederdedinghausen noch eine weitere Angelmöglichkeit erschlossen wurde. So stieg unsere Mitgliederzahl mit einer inzwischen ins Leben gerufenen Jugendgruppe auf eine Zahl von 700. Damit war die Entwicklung von einer kleinen überschaubaren Anglervereinigung zum computerverwalteten Großverein endgültig vollzogen. Viele ältere Mitglieder blickten mit einer gewissen Wehmut auf die schöne alte Zeit zurück, die Jüngeren haben sie nicht gekannt. Allen aber bleibt gemeinsam, daß ihnen eine reiche Auswahl von Angelmöglichkeiten zur Verfügung steht, vom Forellenbach, der Gieseler, dem Niederungsflüßchen, der Glenne, der Lippe mit der Vielfalt ihres Fischbestandes von Aalen, Äschen und Forellen, den Rotaugen und Brassen, bis hin zum kapitalen Hecht, und nicht zuletzt den Baggerseen. Das alles mag für die Zukunft hoffnungsfroh stimmen, wenn sich nicht am Horizont eine dunkle Wolke abzeichnete. Der Zachariassee, unser größter und ertragreichster Baggersee, soll zum Naturschutzgebiet erklärt werden und wird uns mit seinen etwa achtzig Angelplätzen auf die Dauer verlorengehen, ein Verlust, der schwer zu ersetzen sein wird. Das ist ein Tropfen Wermut in den Becher der Freude zu unserem hundertjährigen Jubiläum.

 

Angelausflug der Jugendgruppe zu Hennesee 1982

 

(Auszug aus unserer Festschrift zum 100jährigen Bestehen des Vereins aus dem Jahre 1982)